Postakute Infektionssyndrome (PAIS)

Postakute Infektionssyndrome (PAIS), auch infection‑associated chronic conditions (IACC) genannt, sind langanhaltende Erkrankungen nach Virus‑ oder Bakterieninfektionen. Sie sind multi‑systemisch, hochgradig behindernd und können über Monate, Jahre oder ein Leben lang bestehen. Long COVID (PASC), ME/CFS, Post‑Ebola, Post‑SARS, Post‑Polio und Post‑Dengue gehören zu dieser Krankheitsfamilie.

Anzeichen und Symptome

Die Symptome überschneiden sich trotz unterschiedlicher Auslöser: post‑exertionelle Malaise (PEM), schwere Erschöpfung, nicht erholsamer Schlaf, kognitive und sensorische Störungen, grippeähnliche Beschwerden sowie Muskel‑ und Gelenkschmerzen. Viele Betroffene verlieren ihre Arbeitsfähigkeit, ihre Selbstständigkeit und einen großen Teil ihrer Lebensqualität.

Ursachen und Mechanismen

PAIS kann nach vielen Erregern auftreten, darunter SARS‑CoV‑2, EBV, Influenza, Dengue, Polio, Chikungunya und weitere. Die Mechanismen sind komplex und bis heute unter‑erforscht. Diskutiert werden u. a. Viruspersistenz oder ‑reste, Immunfehlsteuerung und Autoimmunität, chronische Entzündung, Reaktivierung latenter Infektionen, Mikrobiom‑Dysbalancen sowie Organ‑ und Gefäßschäden. Die wiederkehrenden Symptomprofile deuten auf gemeinsame Mechanismen hin, die endlich ernsthaft untersucht werden müssen.

Diagnose und Versorgung

Da für die meisten PAIS‑Erkrankungen keine eindeutigen Tests existieren, bleiben Diagnosen oft jahrelang aus. Betroffene werden von Stelle zu Stelle geschickt, nicht ernst genommen oder psychologisiert. Das ist inakzeptabel. Fehlende Tests bedeuten nicht fehlende Krankheit. Die Versorgung bleibt weitgehend symptomatisch, weil Forschung und Finanzierung nicht mit der Größe der Krise Schritt halten.

Der Skandal der jahrzehntelangen Vernachlässigung

Über Jahrzehnte wurden PAIS‑Erkrankungen klein­geredet, psychologisiert oder ignoriert. Diese systemische Vernachlässigung hat Forschung ausgebremst, Versorgung verhindert und Betroffene in Stigma und Isolation getrieben. Das ist ein öffentliches Versagen mit massivem Schaden. Long COVID hat diese Krise nicht geschaffen — es hat sie sichtbar gemacht.

Ein Aufruf zum Handeln

Das Leid ist extrem, die Folgen sind lebensbedrohlich. Betroffenen‑Communities berichten von hoher Verzweiflung, erhöhtem Suizidrisiko und Fällen assistierten Sterbens, die mit der unerträglichen Last unbehandelter Krankheit und sozialer Ausgrenzung verbunden sind. Das muss enden. Wir fordern Anerkennung, Zugang zu Versorgung und massive Investitionen in biomedizinische Forschung — jetzt.

Wenn du oder jemand in deinem Umfeld akut in Gefahr ist, suche bitte sofort lokale Hilfe. Du bist nicht allein.